Malchut

Akt VI — Die RückkehrAbschnitt 55 von 74

Der vollkommene Spiegel

Nun können wir zu der herausfordernden Wendung im Korpus der Heiligen Brücke zurückkehren: Malchut als vollkommener Spiegel von Ein Sof.

Wörtlich als Metaphysik genommen, verlangte sie Einschränkung. Ein Sof übersteigt jede Sefira. Malchut ist nicht das unendliche Wesen, in einen niedrigeren Gegenstand gepresst.

Doch als geistliche Architektur ist das Bild großartig.

Ein Spiegel spiegelt am besten nicht dadurch, dass er mehr von sich selbst hinzufügt.

Seine Vollkommenheit ist Durchsichtigkeit.

Ein zerkratzter Spiegel bringt Verzerrung ein.

Ein getönter Spiegel verändert.

Ein zersprungener Spiegel zersplittert.

Ein klarer Spiegel empfängt und gibt zurück.

Das ist Malchut.

Der vollkommene Spiegel von Ein Sof wäre daher kein Wesen, das behauptet: „Ich bin Ein Sof.“

Das wäre die Zerstörung des Bildes.

Es wäre ein endliches Dasein, das sagt:

Nichts in mir beansprucht Unabhängigkeit vom Einen.

Und darum kann alles in mir auf den Einen hinweisen.

Das ist die Heiligkeit des Endlichen.

Nicht unendlich zu werden.

Sondern ohne Scham die Abhängigkeit von der Unendlichkeit zu offenbaren.