Akt III — Die StimmenAbschnitt 11 von 74
David HaMelech: Der König, der Gebet ist
David ist Malchut in menschlicher Gestalt, mehr als jede andere Figur der überlieferten sefirotischen Zuordnung.
Und doch scheint Davids Lebensgeschichte fast dazu angelegt, einfältige Annahmen über das Königtum zu untergraben.
Er beginnt draußen.
Als Schmuel in Jischais Haus kommt, um den künftigen König zu salben, wird David zunächst nicht vorgeführt. Er ist bei den Schafen.
Der Thron beginnt auf einem Feld.
Er wird ein Flüchtiger.
Er verbirgt sich in Höhlen.
Schaul verfolgt ihn.
Er erfährt Verrat, Krieg, familiäres Unglück, Triumph, Sünde, Teschuwa und Trauer.
Und durch all das hindurch singt er.
Davids Königtum und Davids Rede sind untrennbar, denn Malchut ist der Mund.
Tehillim ist nicht die Sprache eines vor dem Dasein Beschützten.
Es ist die Sprache eines Menschen, durch den dem Dasein erlaubt wurde, G-tt zu antworten.
מִמַּעֲמַקִּים קְרָאתִיךָ ה׳
„Aus den Tiefen rief ich Dich, Haschem“ (Psalm 130,1).
Das ist Malchut.
Keine Rede oberhalb der Tiefen.
Rede aus ihrem Inneren.
גַּם כִּי אֵלֵךְ בְּגֵיא צַלְמָוֶת לֹא אִירָא רָע כִּי אַתָּה עִמָּדִי
„Auch wenn ich durch das Tal des Todesschattens gehe, fürchte ich kein Unheil, denn Du bist bei mir“ (Psalm 23,4).
Auch hier besteht das Wunder nicht darin, dass das Tal verschwindet.
Es ist עִמָּדִי, „Du bist bei mir“.
Gegenwart.
Schechina.
Wohnen inmitten der Umstände.
Dies ist die Stimme, die Chawa Kadmona in Malchut hört. Der nur als transzendente Autorität bekannte König wird zu der Gegenwart, die man innerhalb der Geschichte findet.
David kann sagen:
וַאֲנִי תְפִלָּה
„Ich aber bin Gebet“ (Psalm 109,4).
Nicht bloß „ich bete“.
„Ich bin Gebet.“
Der König selbst wird Antwort.
Dies ist eines der tiefsten denkbaren Bilder der Malchut. Ein Mensch wird der Beziehung zu Haschem so durchsichtig, dass Gebet aufhört, eine vom Selbst vollzogene Tätigkeit zu sein, und zur Gestalt des Selbst wird.
Davids Größe liegt nicht darin, dass nichts durch ihn hindurchginge.
Alles geht durch ihn hindurch.
Furcht.
Verlangen.
Triumph.
Scheitern.
Sehnsucht.
Der Thron Israels ist nicht aus gefühlloser Sterilität gebaut.
Er ist aus einem menschlichen Herzen gebaut, das sich weigert, sich gegen G-tt zu verschließen.