Malchut

Akt III — Die StimmenAbschnitt 12 von 74

Das Weibliche beginnt nicht bei Malchut

Hier bringt der Chawa-Kadmona-Rahmen eine wesentliche Berichtigung eines möglichen Missverständnisses der kabbalistischen Sinnbildlichkeit an.

Wenn Malchut weiblich ist, könnte man annehmen, „weiblich“ heiße schlicht der unterste Empfänger. Chawa Kadmona weist diese Verkürzung zurück. In ihrem Rahmen ist die weibliche Ausrichtung nicht Malchut allein; sie ist eine vollständige Gestalt derselben Sefirot, von Keter bis Malchut. Ihre eigene Lehrsprache sagt ausdrücklich, dass die weibliche Wurzel nicht bei Malchut beginnt und dass die Schechina ein unteres Gewand ist und nicht das Ganze der Chawa Kadmona.

Das ändert von Grund auf, was in Malchut zu hören ist.

Malchut ist nicht weiblich, weil „die Frau unten steht“.

Malchut ist weiblich, weil unten die empfangende Ausrichtung als Wohnung vollständig sichtbar wird.

Die weibliche Wurzel reicht höher als Malchut.

Malchut ist, wo sie aufsetzt.

Das ist wichtig, weil es den ganzen Gegenstand der groben Gleichung entzieht:

männlich = mächtig,

weiblich = empfänglich,

also weiblich = weniger mächtig.

Der Chawa-Kadmona-Vorschlag lautet stattdessen, dass Empfänglichkeit die ganze Gestalt durchzieht und in einer bestimmten Ausrichtung ausdrücklich wird. Es gibt eine empfangende Chochma, eine empfangende Bina, ein empfangendes Daat, ein Chessed, das sich dem Empfänger anpasst, eine Gewura, die die Beziehung schützt, ein Tiferet, das gelebten Widerspruch zusammenhält, ein Netzach, das bleibt, ein Hod, das antwortet, ein Jessod, das austrägt, und eine Malchut, die wohnt.

Malchut ist daher nicht die Abladestelle eines hierarchischen Systems.

Sie ist die letzte Verkörperung einer ganzen Weise, die göttliche Wirklichkeit zu empfangen.

Und weil beide Gestalten in jeder Seele leben, lässt sich diese Lehre nicht auf Männer gegen Frauen verkürzen. Der Rahmen warnt selbst davor. Jeder Mensch muss lernen zu geben und zu empfangen, zu bestimmen und einzuordnen, sich selbst zu gebieten und zu hören, zu bauen und zu wohnen.

Die Zukunft ist nicht das Verschwinden des Männlichen in einem weiblichen Bewusstsein.

Sie ist menschliche Ganzheit.