Malchut

Akt V — Das GefäßAbschnitt 32 von 74

Zwei souveräne Ganzheiten

Darum ist die Sprache der heiligen Vereinigung in diesem Rahmen so bedeutsam. Sie verweigert sich der romantischen Mythologie, zwei beschädigte Hälften müssten zu einer funktionierenden Person verschmelzen. Sie spricht stattdessen von „zwei souveränen Ganzheiten“, deren Vereinigung die Unterscheidung nicht auslöscht.

Das ist zutiefst malchutisch.

Ein Gefäß ohne Wände kann nicht empfangen.

Ein Mensch ohne Identität kann keinen Bund eingehen.

Zwei Wesen können sich nur vereinen, wenn es zwei gibt.

Das mystische Ziel der Vereinigung ist nicht Ununterscheidbarkeit.

Es ist eine so vollständige Beziehung, dass Unterscheidung die Einheit nicht mehr bedroht.

Das gibt dem Vers neuen Sinn:

וְהָיוּ לְבָשָׂר אֶחָד

„Sie werden ein Fleisch werden“ (Genesis 2,24).

Ein Fleisch heißt nicht ein Nervensystem, eine Persönlichkeit oder ein Wille.

Die Vereinigung ist gerade darum größer, weil die Unterscheidung bleibt.

Der Chawa-Kadmona-Rahmen nennt daher die Getrenntheit eine Bedingung höherer Vereinigung: nichts kann sich vereinen, was nicht zuvor eigenständig gestanden hat.

Malchut reift, wenn Empfangen aufhört, Abhängigkeit zu bedeuten.

Sie kann empfangen, weil sie steht.

Sie kann sich öffnen, weil sie Grenzen besitzt.

Sie kann sich vereinen, weil sie nicht verschwinden muss.