Akt V — Das GefäßAbschnitt 42 von 74
Verhüllung ist nicht Abwesenheit
Diese Wendung dürfte die hermeneutische Mitte des ganzen Chawa-Kadmona-Vorhabens sein:
Verhüllung ist nicht Abwesenheit.
Auf Malchut angewandt, wird sie zu einem mächtigen Schlüssel.
Der Neumond ist verhüllt.
Nicht abwesend.
Die Schechina im Galut ist verhüllt.
Nicht abwesend.
Das davidische Königtum ist der politischen Erscheinung verhüllt.
Nicht aus dem Gedächtnis des Bundes gelöscht.
Haschems Name ist in Esther verhüllt.
Die Geschichte bleibt gelenkt.
Ein Same ist in der Erde verhüllt.
Das Leben hat nicht aufgehört.
Ein Kind ist im Schoß verhüllt.
Das Werden hat nicht aufgehört.
Eine künftige Einsicht kann in Verwirrung verhüllt sein.
Die Wahrheit hat nicht aufgehört.
Auch hier: das erlaubt kein magisches Denken. Verhüllte Möglichkeiten sind keine Gewähr für den Ausgang, den wir uns wünschen.
Der Grundsatz ist strenger.
Sichtbare Abwesenheit erschöpft die Ontologie nicht.
Wirklichkeit kann in noch nicht offenbaren Weisen gegenwärtig sein.
Malchut ist geübt, damit zu leben, denn sie ist die Sefira der Erscheinung.
Sie kennt den Unterschied zwischen „nicht offenbar“ und „nicht wirklich“.
Diese Unterscheidung ist Emuna.