Malchut

Akt III — Die StimmenAbschnitt 17 von 74

Malchut und Tefilla: Die Welt, die zurückspricht

Ist die Tora in einem Sinne die Bewegung von oben nach unten, so ist die Tefilla die urbildliche Bewegung von unten nach oben.

Haschem spricht.

Die Seele antwortet.

Die Tora gebietet.

Der Mensch erwidert.

Die Welt empfängt Dasein.

Und dann öffnet sich irgendwo in diesem Dasein ein Mund und sagt:

„Ribbono Schel Olam.“

Darum nennt der Chawa-Kadmona-Rahmen das Gebet das weibliche Tor und beschreibt es als die Begegnung dessen, was von oben gegeben wird, mit der Stimme, die von unten aufsteigt.

Im Gebet wird Malchut bewusst.

Den ganzen Tag empfangen wir.

Wir empfangen Sauerstoff.

Licht.

Nahrung.

Gedanken.

Gelegenheit.

Erinnerung.

Andere Menschen.

Einen Leib.

Zeit.

Das Dasein selbst.

Das meiste Empfangen geschieht ohne Bewusstsein.

Die Tefilla sammelt das unbewusste Empfangen und gibt es als bewusste Beziehung zurück.

Ich danke Dir.

Hilf mir.

Vergib mir.

Heile uns.

Segne uns.

Sammle uns.

Stelle das Recht wieder her.

Baue Jerusalem wieder auf.

Bringe die Erlösung.

Die Bewegung geht aufwärts, doch ihr Inhalt ist alles, dem wir unten begegnet sind.

Das ist or chozer in existenzieller Gestalt.

Die Welt kehrt nicht mit leeren Händen zurück.

Sie kehrt zurück und trägt ihren Hunger.

Ihre Dankbarkeit.

Ihre Verwirrung.

Ihre Zerbrochenheit.

Ihre Sehnsucht.

Ihre Besonderheit.

Das Unendliche gab Dasein.

Malchut sendet eine menschliche Stimme zurück.