Akt III — Die StimmenAbschnitt 16 von 74
Rut: Das leere Gefäß an der Wurzel des Throns
Dann kommt Rut.
Wollte man eine königliche Genealogie nach gewöhnlicher politischer Logik erfinden, begänne man vielleicht mit einer alten Adelsfamilie mit Reichtum, Land, militärischem Ruf und gesellschaftlicher Sicherheit.
Die Tora tut etwas anderes.
Die davidische Linie führt durch eine moabitische Witwe, die mit fast nichts nach Bejt Lechem geht.
Sie sagt zu Naomi:
עַמֵּךְ עַמִּי וֵאלֹקַיִךְ אֱלֹקָי
„Dein Volk ist mein Volk, und dein G-tt ist mein G-tt“ (Rut 1,16).
Das ist keine Leere als Mangel an Identität. Es ist eine Bundesempfänglichkeit, so tief, dass eine neue Identität möglich wird.
Rut liest Ähren auf.
Sie sammelt, was andere zurücklassen.
Sie steht auf dem Feld als Empfangende von Überresten.
Und verborgen in dieser scheinbaren Armut liegt das Königtum.
David kommt.
Maschiach kommt.
Das Feld sieht nicht aus wie ein Thron.
Malchut tut das anfangs selten.
Das ist eines ihrer Geheimnisse.