Malchut

Akt III — Die StimmenAbschnitt 18 von 74

Warum „nichts Eigenes“ das Gegenteil von Schweigen ist

Auf den ersten Blick könnte nichts Eigenes zu haben bedeuten, nichts zu sagen zu haben.

Genau das Gegenteil tritt ein.

Wer am tiefsten in privater Selbstbezüglichkeit gefangen ist, kann nicht wirklich sprechen, denn jeder Satz weist zuletzt auf das Selbst zurück.

Malchut wird der Rede fähig, weil sie empfängt.

Sie hat etwas gehört, das über sie hinausgeht.

Darum beginnt prophetische Rede immer wieder mit Empfangen.

וַיְהִי דְבַר ה׳

„Das Wort Haschems erging ...“

Der Prophet bringt Offenbarung nicht aus der Persönlichkeit allein hervor. Der Prophet wird ein Mund für das, was gehört wurde.

Und doch spricht jeder Prophet in seinem eigenen Stil. Chasal sagen, dass keine zwei Propheten in ein und demselben Stil weissagen. Der Empfangende verschwindet nicht.

Das gibt uns eine sehr feine Theologie der Individualität.

Bittul löscht die Gestalt des Gefäßes nicht aus.

Es reinigt dessen Anspruch, sein eigener Ursprung zu sein.

Das Licht wird empfangen.

Der Ausdruck ist eigen.

Mosche ist Mosche.

Jeschajahu ist Jeschajahu.

Jirmijahu ist Jirmijahu.

David ist David.

Je treuer Offenbarung empfangen wird, desto schöner kann das geschaffene Gefäß es selbst werden.

Das ist das Paradox der Malchut: man lässt die Einbildung fahren, die eigene Quelle zu sein, und entdeckt eine tiefere Einzigartigkeit.

Du musst kein eigenes Sonnenlicht erfinden, um ein Mond zu werden.

Du musst dich dem Licht zuwenden.