Akt III — Die StimmenAbschnitt 15 von 74
Rachel: Die Schechina am Weg
Rachel ruht nicht im Herzen Jerusalems.
Die Überlieferung setzt ihr Grab an den Weg.
Ihr Bild bei Jeremia ist die Mutter am Wegrand, die um fortgeführte Kinder weint.
Wäre Malchut nur souveräne Ferne, sähe dies wie ein Abstieg aus der Herrlichkeit aus.
Ist Malchut Gegenwart, so ist dies der Ort, an dem ihre Größe sichtbar wird.
Die Königin ist bei den Verbannten.
Das Chawa-Kadmona-Material macht daraus eine seiner kennzeichnenden Lesarten: von einer rein absteigenden Sicht her kann ein Königtum, das in den Staub tritt, widersprüchlich wirken; von der beziehungsbezogenen Ausrichtung her wird das Exil zum Schauplatz, an dem die Weigerung, zu verlassen, offenbar wird.
Was für eine Macht ist es, die nicht fortgeht?
Netzach in seiner erobernden Gestalt überwindet.
Netzach in seiner beziehungsbezogenen Gestalt bleibt.
Das ist keine rührselige Schwäche.
Wer je bei einem anderen geblieben ist durch Trauer, Verwirrung, Krankheit, Angst oder lange Ungewissheit hindurch, weiß, dass Bleiben mehr Kraft fordern kann als Siegen.
Rachel bleibt am Weg.
Die Schechina bleibt im Exil.
Malchut weiß zu bleiben.